Aktien-Kennzahlen verstehen: KGV, EPS, Dividendenrendite, Beta
KGV, Gewinn je Aktie, Dividendenrendite und Beta mit Formel und Beispielrechnung erklärt – inklusive typischer Denkfehler und wie du die Werte zusammen liest.

Kurz gesagt: KGV, Gewinn je Aktie (EPS), Dividendenrendite und Beta sind nützliche Abkürzungen, um eine Aktie einzuordnen, aber keine dieser Zahlen sagt für sich allein, ob eine Aktie günstig oder teuer ist. Sie beruhen auf Vergangenheitswerten oder Schätzungen, lassen sich durch Einmaleffekte verzerren und ergeben erst im Zusammenspiel und im Branchenvergleich ein brauchbares Bild.
Die Beispiel-AG und der Gewinn je Aktie (EPS)
Damit die Rechnungen nachvollziehbar bleiben, nutzen wir in diesem Artikel durchgehend ein erfundenes Unternehmen mit runden Zahlen. Die Beispiel-AG existiert nicht, alle Werte sind hypothetisch.
| Größe | Beispiel-AG (fiktiv) |
|---|---|
| Aktienkurs | 120 € |
| Anzahl Aktien | 100 Mio. |
| Umsatz (Vorjahr) | 6.000 Mio. € (5.000 Mio. €) |
| Nettogewinn | 600 Mio. € |
| Dividende je Aktie | 3 € |
| 52-Wochen-Tief und -Hoch | 90 € und 140 € |
| Beta | 1,2 |
Der Gewinn je Aktie, englisch Earnings per Share (EPS), verteilt den Nettogewinn auf die ausstehenden Aktien:
EPS = Nettogewinn ÷ Anzahl der Aktien
Beispielrechnung: 600 Mio. € ÷ 100 Mio. Aktien = 6 € Gewinn je Aktie.
Was das EPS nicht verrät:
- Aktienrückkäufe: Kauft die Beispiel-AG 5 Mio. eigene Aktien zurück, steigt das EPS bei unverändertem Gewinn auf 600 Mio. € ÷ 95 Mio. = rund 6,32 €, also um gut 5 %. Das Geschäft selbst ist dadurch nicht besser geworden.
- Bereinigt oder nicht: Viele Unternehmen veröffentlichen neben dem EPS nach Rechnungslegungsstandard ein „bereinigtes“ EPS, bei dem bestimmte Posten herausgerechnet sind. Welche das sind, legt das Unternehmen selbst fest. Lies deshalb nach, was bereinigt wurde.
- Verwässert und unverwässert: Das verwässerte EPS berücksichtigt zusätzlich Aktien, die etwa aus Mitarbeiteroptionen oder Wandelanleihen entstehen können. Es ist deshalb in der Regel gleich hoch oder etwas niedriger.
- Qualität des Gewinns: Das EPS zeigt nicht, ob hinter dem Buchgewinn auch tatsächlich Geld zufließt. Dafür lohnt ein Blick auf den Cashflow.
KGV: Wie viel du für einen Euro Gewinn bezahlst
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie:
KGV = Aktienkurs ÷ Gewinn je Aktie
Beispielrechnung: 120 € ÷ 6 € = 20. Anleger zahlen also das 20-Fache des Jahresgewinns. Anders ausgedrückt: Bliebe der Gewinn konstant, bräuchte das Unternehmen 20 Jahre, um rechnerisch den heutigen Kurs zu verdienen. Der Kehrwert, 1 ÷ 20 = 5 %, heißt Gewinnrendite. Dasselbe KGV erhältst du über den Börsenwert: 120 € × 100 Mio. Aktien = 12 Mrd. €, geteilt durch 600 Mio. € Nettogewinn ergibt ebenfalls 20.
Wichtig ist, welcher Gewinn im Nenner steht. Das historische KGV nutzt tatsächliche Zahlen, oft die der letzten zwölf Monate. Das erwartete KGV, auch Forward-KGV genannt, beruht auf Gewinnschätzungen von Analysten. Beide können sich deutlich unterscheiden, und Schätzungen können danebenliegen.
Was das KGV nicht verrät
- Negatives KGV: Macht ein Unternehmen Verlust, etwa −2 € je Aktie, ergibt sich rechnerisch ein KGV von 120 ÷ (−2) = −60. Diese Zahl ist nicht sinnvoll interpretierbar, viele Datenanbieter zeigen dann gar kein KGV an. Für Verlustunternehmen brauchst du andere Größen, etwa Umsatzentwicklung und Cashflow.
- Einmalige Effekte: Verkauft die Beispiel-AG eine Sparte und verbucht dadurch einmalig 300 Mio. € zusätzlichen Nettogewinn, steigt das EPS auf 9 € und das KGV fällt auf 120 ÷ 9 ≈ 13,3. Die Aktie wirkt plötzlich günstig, obwohl sich am laufenden Geschäft nichts geändert hat. Umgekehrt können einmalige Abschreibungen ein KGV künstlich in die Höhe treiben.
- Branche und Wachstum: Ein KGV von 20 kann für ein langsam wachsendes Unternehmen hoch und für ein stark wachsendes niedrig sein. Vergleiche das KGV deshalb vor allem innerhalb einer Branche und mit der eigenen Historie des Unternehmens.
- Niedrig heißt nicht günstig: Ein niedriges KGV kann auch bedeuten, dass der Markt mit sinkenden Gewinnen rechnet. Wer dann kauft, sitzt womöglich in einer sogenannten Value-Falle.
Dividendenrendite: Ausschüttung im Verhältnis zum Kurs
Dividendenrendite = Dividende je Aktie ÷ Aktienkurs × 100
Beispielrechnung: 3 € ÷ 120 € × 100 = 2,5 %. Ergänzend lohnt die Ausschüttungsquote: 3 € Dividende ÷ 6 € Gewinn je Aktie = 50 %. Die Beispiel-AG schüttet also die Hälfte ihres Gewinns aus und behält die andere Hälfte im Unternehmen.
Die Dividendenrendite basiert meist auf der zuletzt gezahlten oder der erwarteten Dividende. Sie verändert sich mit jeder Kursbewegung, auch wenn die Dividende gleich bleibt. Außerdem ist eine Dividende kein Geschenk zusätzlich zum Kurs: Am sogenannten Ex-Tag, bei deutschen Aktien in der Regel der Geschäftstag nach der Hauptversammlung, sinkt der Kurs rechnerisch um ungefähr den Dividendenbetrag. Dazu kommen Steuern: Dividenden unterliegen in Deutschland oberhalb des Sparerpauschbetrags der Abgeltungsteuer, bei ausländischen Aktien kann zusätzlich Quellensteuer anfallen (Stand 2026 – prüfe die aktuelle Rechtslage).
Die Dividendenfalle
Eine ungewöhnlich hohe Dividendenrendite ist oft eher ein Warnsignal als ein Schnäppchen. Beispielrechnung: Bricht das Geschäft der Beispiel-AG ein und fällt der Kurs von 120 € auf 60 €, ergibt die zuletzt gezahlte Dividende von 3 € rechnerisch 5 % Rendite. Sinkt gleichzeitig der Gewinn auf 2 € je Aktie, läge die Ausschüttungsquote bei 150 %. Das Unternehmen müsste mehr ausschütten, als es verdient. Das ist auf Dauer kaum durchzuhalten, eine Kürzung liegt nahe, und die hohe Rendite existiert dann nur auf dem Papier.
Beta und 52-Wochen-Spanne: Schwankung und Kursverlauf
Beta misst, wie stark eine Aktie in der Vergangenheit im Verhältnis zu einem Vergleichsindex geschwankt hat. Formal ist es die Kovarianz der Aktienrenditen mit den Indexrenditen, geteilt durch die Varianz der Indexrenditen:
Beta = Kovarianz(Aktie, Markt) ÷ Varianz(Markt)
Beispielrechnung: Ein Beta von 1,2 bedeutet: Stieg oder fiel der Vergleichsindex im betrachteten Zeitraum um 10 %, bewegte sich die Aktie im statistischen Durchschnitt um etwa 12 % in dieselbe Richtung. Ein Beta von 1 entspricht dem Markt, unter 1 bewegte sich die Aktie im Schnitt schwächer mit, ein negatives Beta zeigt eine Tendenz zur Gegenbewegung.
Was Beta nicht sagt:
- Es ist ein Blick zurück. Beta wird aus historischen Kursen berechnet. Ändern sich Geschäftsmodell, Verschuldung oder Marktumfeld, kann sich auch das künftige Verhalten ändern.
- Es hängt von der Berechnung ab. Datenanbieter nutzen unterschiedliche Zeiträume, Intervalle und Vergleichsindizes. Deshalb findest du für dieselbe Aktie oft verschiedene Beta-Werte.
- Es misst nur den Marktbezug. Eine Aktie mit niedrigem Beta kann trotzdem stark schwanken, wenn ihre Bewegungen vor allem unternehmensspezifisch sind, etwa nach enttäuschenden Quartalszahlen oder einem Rechtsstreit. Beta ist deshalb kein vollständiges Risikomaß.
Wie du Schwankungen bei der Größe einer Position berücksichtigst, beschreibt unser Artikel zu Risikomanagement, Positionsgröße und Stop-Loss.
Die 52-Wochen-Spanne
Die 52-Wochen-Spanne zeigt den tiefsten und den höchsten Kurs der vergangenen zwölf Monate. Beispielrechnung: Bei einer Spanne von 90 € bis 140 € und einem Kurs von 120 € liegt die Aktie 30 € über dem Tief und 20 € unter dem Hoch. Bezogen auf das Hoch sind das rund 14,3 % Abstand. Innerhalb der Spanne steht sie bei 60 %, denn 30 € sind 60 % der Spannweite von 50 €.
Eine Aktie nahe dem Jahreshoch ist nicht automatisch zu teuer, eine nahe dem Jahrestief nicht automatisch günstig. Die Spanne beschreibt nur den bisherigen Kursverlauf, nicht den Wert des Unternehmens. Sie hilft aber, die aktuelle Lage einzuordnen: Eine sehr breite Spanne deutet auf ein bewegtes Jahr hin.
Umsatzwachstum, Nettomarge und Analysten-Konsens
Umsatzwachstum = (Umsatz aktuell − Umsatz Vorjahr) ÷ Umsatz Vorjahr × 100
Nettomarge = Nettogewinn ÷ Umsatz × 100
Beispielrechnung: Die Beispiel-AG steigert ihren Umsatz von 5.000 Mio. € auf 6.000 Mio. €. Das sind 1.000 ÷ 5.000 × 100 = 20 % Wachstum. Bei 600 Mio. € Nettogewinn liegt die Nettomarge bei 600 ÷ 6.000 × 100 = 10 %. Von jedem Euro Umsatz bleiben also 10 Cent als Gewinn.
Beide Werte ergänzen das KGV: Wachstum erklärt, warum Anleger für manche Unternehmen ein höheres KGV zahlen, und die Marge zeigt, wie profitabel dieses Wachstum ist. Wächst der Umsatz, während die Marge sinkt, wird das Wachstum womöglich teuer erkauft, etwa durch Preisnachlässe oder hohe Marketingausgaben. Margen unterscheiden sich zudem stark zwischen Branchen, weshalb auch hier der Vergleich mit ähnlichen Unternehmen zählt. Und auch die Nettomarge kann durch Einmaleffekte verzerrt sein.
Analysten-Konsens
Der Analysten-Konsens fasst die Einschätzungen mehrerer Banken und Research-Häuser zusammen, meist als Verteilung von Kaufen, Halten und Verkaufen sowie als durchschnittliches Kursziel. Das ist eine nützliche Zusammenfassung der Markterwartung, hat aber Grenzen:
- Kursziele beziehen sich meist auf einen Zeitraum von etwa zwölf Monaten und sind Schätzungen, keine Zusagen.
- Viele Analysten arbeiten mit ähnlichen Daten und Modellen. Ein Konsens kann deshalb auch eine gemeinsame Fehleinschätzung sein.
- Kursziele können der Kursentwicklung hinterherlaufen, wenn sie erst nach größeren Kursbewegungen angepasst werden.
- Mögliche Interessenkonflikte, etwa durch Geschäftsbeziehungen einer Bank zum Unternehmen, müssen offengelegt werden, verschwinden dadurch aber nicht.
- Die Zahl der Analysten variiert: Ein Konsens aus drei Einschätzungen ist weniger aussagekräftig als einer aus dreißig.
Kennzahlen zusammen lesen: ein Vorgehen in fünf Schritten
Einzeln sind die Kennzahlen leicht misszuverstehen, zusammen ergeben sie ein deutlich klareres Bild. Ein mögliches Vorgehen:
- Gewinn prüfen: Ist das EPS positiv und stabil, wachsend oder schwankend? Gab es Einmaleffekte oder große Aktienrückkäufe?
- Bewertung einordnen: Wie hoch ist das KGV im Vergleich zur Branche und zur eigenen Historie, und passt es zum Umsatzwachstum?
- Profitabilität ansehen: Wie entwickelt sich die Nettomarge? Steigt sie mit dem Umsatz oder sinkt sie?
- Ausschüttung prüfen: Ist die Dividende durch den Gewinn gedeckt, liegt die Ausschüttungsquote also klar unter 100 %?
- Schwankung und Erwartung einordnen: Was sagen Beta und 52-Wochen-Spanne über das bisherige Kursverhalten, und auf wie vielen Einschätzungen beruht der Analysten-Konsens?
Ein Beispiel für das Zusammenspiel: Ein KGV von 20 bei 20 % Umsatzwachstum und stabiler Marge ist anders zu bewerten als ein KGV von 20 bei schrumpfendem Umsatz und sinkender Marge, obwohl die Kennzahl identisch ist. Und eine Dividendenrendite von 5 % ist nur dann interessant, wenn der Gewinn sie dauerhaft trägt.
Üben kannst du das mit echten Daten: Auf den öffentlichen Aktienseiten von Intelevo, etwa für Apple, Microsoft oder SAP, siehst du Kurs, 52-Wochen-Spanne, KGV, EPS, Dividendenrendite, Beta und den Analysten-Konsens live. Weitere Werte findest du in der Aktienübersicht. Beachte beim Vergleich, dass sich Zahlen für US-amerikanische und deutsche Aktien auf unterschiedliche Währungen, Geschäftsjahre und Vergleichsindizes beziehen können. Frage bei jeder Kennzahl: Woher kommt sie, welcher Zeitraum steckt dahinter, und was verrät sie nicht? Wer sich die Analyse einzelner Unternehmen sparen möchte, findet in unserem Artikel ETFs erklärt einen breit gestreuten Ansatz.
Häufige Fragen
Welches KGV ist gut?
Einen allgemein guten Wert gibt es nicht. Ein KGV ist nur im Vergleich aussagekräftig: mit Unternehmen derselben Branche, mit der eigenen Historie und mit dem erwarteten Gewinnwachstum.
Was ist der Unterschied zwischen EPS und KGV?
Das EPS ist der Gewinn je Aktie, ausgedrückt in einer Währung wie Euro oder Dollar. Das KGV setzt diesen Gewinn ins Verhältnis zum Kurs und zeigt, wie viel Anleger für einen Euro Gewinn bezahlen.
Ist eine hohe Dividendenrendite ein Kaufsignal?
Für sich genommen nicht. Eine hohe Rendite entsteht oft durch einen gefallenen Kurs. Prüfe, ob der Gewinn die Dividende deckt und wie sich das Geschäft entwickelt.
Warum zeigen verschiedene Seiten unterschiedliche Werte?
Anbieter nutzen unterschiedliche Zeiträume (letzte zwölf Monate oder Prognose), bereinigte oder unbereinigte Gewinne, verschiedene Vergleichsindizes für Beta und unterschiedliche Aktualisierungszeitpunkte. Achte deshalb immer darauf, wie eine Kennzahl definiert ist.
Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ist keine Anlageberatung.
